Der Fachbereich Bildende Kunst

... Das Auge nämlich kommt uns als der schärfste der Sinne des Körpers zu, doch wird die Weisheit nicht damit erblickt, denn zu heftige Liebe würde es bereiten, wenn ein solch helles Bild von ihr in die Augen fallen würde, und so auch das andere Liebenswürdige. Der Schönheit allein aber ist nun dieses teilgeworden, sodass sie das Sichtbarste und das Liebreizendste ist. ...

Platon : Phaidros ( De pulchro)

Die Fachschaft Bildende Kunst des Lina-Hilger-Gymnasiums versteht sich in der Tradition der Gründerin und Namensgeberin unserer Schule. Das Ästhetische als Dreh- und Angelpunkt allen pädagogischen Tuns und das Künstlerische als Lebensform sind uns Auftrag und Ziel zugleich. Ihre scheinbar schwerelose Forderung nach Freude als Grundton eines Schullebens hat an Dringlichkeit und Aktualität ebenfalls nichts verloren. Wurde unsere Schule in der Frühzeit von den Bad Kreuznachern bisweilen als "Seelenschule" belächelt, so ging bis vor nicht allzu lange Zeit in der Stadt hie und da auch noch die Rede vom "Kunstgymnasium". Lina Hilgers Grundüberzeugungen lassen sich herleiten aus der Reformpädagogik der Zeit um 1900 vertreten beispielsweise durch die Ideen Ellen Keys und die gleichzeitig einsetzende Kunsterziehungsbewegung, die das authentische künstlerische Schaffen unverbrüchlich im kindlichen Wesen verankert sah. Eine weitere Quelle dürfte Schillers Ästhetische Erziehung sein, die das Musische und das glückvolle Spiel als unabdingbar für den Individuationsprozess des Menschen herausstellt und einfordert. Die zentralen Kategorien unserer Tätigkeit sind die Schönheit im platonischen Sinn als Vorschein einer höheren Wahrheit und die Freiheit des Denkens vor dem Kunstwerk. Als weiterer Schwerpunkt zeigt sich zunehmend die Erziehung zu einem verantwortungsvollen und kritischen Umgang mit der anbrandenden Flut von oft oberflächlichen und bedeutungsschwachen Produkten der Medienindustrie. Hier genießt künstlerische Eigentätigkeit den absoluten Vorzug vor dem Konsum uniformer Massenware. Zudem stellt das Fach Bildende Kunst einen wertvollen Ausgleich und Gegenpol zu den exakten Wissenschaften und der fortschreitenden Rationalisierung und Festlegung von Lernprozessen auf mess- und evaluierbare Strukturen dar. Diesen Verpflichtungen versuchen wir jenseits von Schubladendenken, Bescheidwisserei und unnötigem Leistungsdruck nach besten Kräften im Sinne einer humanen Menschen-bildung nachzukommen. Das Interesse und die Achtung der Schulgemeinschaft für das Fach Bildende Kunst und die Arbeitsergebnisse unserer Schülerinnen und Schüler sprechen für sich.