Trier-Bericht

Ein Landstrich, dem man heute noch ansieht, dass er zu einer Kraterlandschaft geschossen wurde. Eine Festung, in deren Katakomben unzählige Soldaten unter desaströsen Lebensbedingungen gelitten haben. Friedhöfe mit einem Meer aus Kreuzen. Verdun ist ein Ort, an dem man zwangsläufig an den Tod erinnert wird. Das ist auch kein Wunder, hat hier doch im Jahr 1916 die blutigste Schlacht des 1. Weltkriegs stattgefunden. Deutsche und Franzosen lagen sich in Schützengräbern gegenüber und lieferten sich ein Gemetzel mit unfassbar hohen Verlusten auf beiden Seiten. Tief in das nationale Bewusstsein der beiden Staaten hat sich die "Hölle von Verdun" eingebrannt. Hundert Jahre später sollen die Schrecken des Krieges nicht vergessen werden. Deshalb hat die ADD Rheinland­Pfalz dieses Jahr ein mehrtägiges Schülerseminar zu dem Thema initiiert. Das Besondere dabei: Es nahmen Schüler sowohl deutscher als auch französischer Schulen teil. So konnte die Geschichte im interkulturellen Austausch aufgearbeitet werden. Wir hatten das Glück, teilnehmen zu dürfen. Mit Frau Dexheimer fuhren wir nach Trier, wo unser Seminar stattfand. Dort erwartete uns ein reiches Programm zu geschichtlichen Hintergründen. Außerdem gab es auch eine Einführung in journalistische Arbeitsweisen, denn das Ziel war es, eine Seminarzeitung zu dem Thema "Braucht es Krieg für den Frieden?" zu erstellen. Der Höhepunkt war schließlich der Tagesausflug nach Verdun, der uns die Kriegsumstände noch näher brachte und später maßgeblich in die redaktionelle Arbeit einfloss. Die Zeitung konnte nur durch Zusammenarbeit aller Beteiligten und im Austausch mit Menschen, die persönlich von dieser Thematik betroffen waren, fertig gestellt werden. Dieser zwischenmenschliche Aspekt war eine besondere Lernerfahrung: Wir hatten die Möglichkeit, die Haltungen der verschiedenen Generationen zum 1. Weltkrieg zu erfahren und zu vergleichen. Der Kontakt mit den anderen Teilnehmern des Seminars war natürlich ebenfalls sehr wichtig. Von den Späßchen am Essenstisch bis hin zu "Wer bin ich?" und "Stadt, Land, Fluss" auf der Busfahrt bot uns das Seminar genügend Zeit, um uns miteinander zu unterhalten und Freundschaften zu schließen. Wir lernten nicht nur viel über Frankreich, sondern auch über die regionalen Besonderheiten unserer eigenen Kultur. Am Ende war die gesamte Gruppe nicht mehr zu trennen und wir navigierten durch die wunderschöne Stadt Trier mit ihrer bunten Mischung aus Römer­ und Neuzeit (wo sonst könnte man einen McDonalds mit einem Museum verwechseln). Angesichts der Spannungen in Europa nach dem "Brexit" hat man erneut gemerkt, dass ein geeintes und friedliches Europa keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Es braucht die Bemühungen und die Sensibilität jedes Einzelnen, um andere Kulturen zu verstehen, die Vorurteile zu beseitigen und Brücken aufzubauen. Unserer Meinung nach hat das Seminar unsere Erwartungen mehr als übertroffen und wir haben viel gelernt aber auch gelacht und Kontakte geknüpft. Wir würden das Projekt auf jeden Fall weiterempfehlen und hoffen, dass auch in den nächsten Jahren Schüler des Lina­ Hilger Gymnasiums teilnehmen werden und genauso viele positive Erfahrungen machen werden wie wir.

Nhu Quynh Nguyen und Mathis Lehna